Australian Region


Zur Australis (> 440 Arten) zählt man neben dem Australischen Kontinent und umliegender Inseln auch Neuguinea, Neuseeland sowie die Pazifikinseln von Mikronesien, Melanesien und Polynesien. Neuguinea mit umliegenden Inseln sowie der Bismarck Archipel und die Salomon Inseln bilden die Papuanische Subregion. Die Inselwelt Ozeaniens wird als Polynesische Subregion bezeichnet. Neuseeland bildet aufgrund seiner fast ausschließlich endemischen Fauna eine dritte, sehr deutlich abgegrenzte Subregion. Die Phasmidenfauna der Polynesischen Subregion weist keine näheren Beziehungen zum Australischen Kontinent auf, sondern scheint ihren Bestand mehrheitlich durch Orientalische Einflüsse via Neuguinea erhalten zu haben (vgl. NAKATA, 1961). Die Tatsache, dass auf dem Australischen Kontinent Insektenarten leben (bspw. Coleoptera), deren nächste Verwandte nicht in der Orientalis, sondern in der Neotropis vorkommen, deutet auf eine ehemalige antarktische Verbindung mit Südamerika hin.

  

Die Australische Subregion beinhaltet außer dem Australischen Kontinent (> 104 Arten, siehe BROCK & HASENPUSCH, 2007) nur Tasmanien sowie einige, kleinere Inseln vor der australischen Ostküste. Die überwiegende Anzahl der Phasmiden kommt in den feuchttropischen oder subtropischen Gebieten Ost- und Südaustraliens vor (Queensland, New South Wales & South Australia). Diese Subregion beherbergt eine Reihe recht eigentümlicher und sehr ursprünglicher Formen der hier endemischen Unterfamilie Tropidoderinae, namentlich die Gattungen Didymuria, Lysicles, Malandania, Micropodacanthus, Parapodacanthus, Paratropidoderus, Podacanthus und Tropidoderus. In ihrer Artenzahl und Körpergröße in gleicher weise auffallend und charakteristisch sind außerdem die zahlreichen Angehörigen der Tribus Phasmatini (Unterfamilie Phasmatinae), nämlich die großteils endemischen Gattungen: Acrophylla, Anchiale, Cigarrophasma, Ctenomorpha, Eurycnema, Onchestus und Paronchestus. Nur Anchiale und Eurycnema sind nordwärts mit einigen Vertretern auch bis nach Neuguinea und in die Wallacea vorgedrungen. Viele Arten dieser zwei Gruppen sind auf Eukalyptus- und Akazienbäume spezialisiert und bewohnen vorwiegend die tropischen und subtropischen Regionen Australiens. Ebenfalls in diesen Regionen kommt Extatosoma tiaratum (Unterfamilie Extatosomatinae) in zwei Unterarten vor. Die Tribus Acanthomimini ist in Australien endemisch und mit den zwei Gattungen Acanthomima und Anophelepis vertreten. Die systematische Stellung der ebenfalls in Australien endemischen Gattungen Arphax und Echetlus ist noch nicht geklärt. Die Unterfamilie „Platycraninae“ ist nur mit einer Art (Megacrania batesii) im Norden der australischen Ostküste auf Schraubenpalmen der Familie Pandanaceae anzutreffen. Die Unterfamilie Lonchodinae findet sich in Australien mit den Gattungen Austrocarausius, Leprocaulinus, Denhama und Hyrtacus, wovon die zwei letzteren weitgehend an das Leben in trockenen Savannen und Grasländern spezialisiert sind. Die Necrosciinae sind mit Mesaner, Rhamphosipyloidea, Scionecra, Sipyloidea, sowie den fünf endemischen Gattungen Austrosipyloidea, Candovia, Cornicandovia, Malandella und Spinosipyloidea vertreten. Die Unterfamilie Pachymorphinae findet sich nur mit den zwei Gattungen Acanthoderus und Pachymorpha, und die Tribus Stepanacridini mit nur einer eventuell eingeschleppten Art (Hermarchus insignis) in Queensland. Die Phylliidae finden sich in Australien mit nur einer Art der Gattung Phyllium und der monotypischen Gattung Nanophyllium (BROCK & HASENPUSCH, 2003). Die Nachweise für Vertreter der Unterfamilie Eurycanthinae hingegen, namentlich Eurycantha calcarata und Neopromachus sordidus, sind zweifelhaft.
Eine Sonderstellung kommt der etwa 800 km vor der Ostküste Australiens gelegenen Lord Howe Island zu. Sie beherbergt offensichtlich nur die endemische Gattung Davidrentzia (Unterfamilie „Platycraninae“). Die wohl berühmteste Phasmide überhaupt, Dryococelus australe (Unterfamilie Eurycanthinae), war einst häufig auf Lord Howe, wurde aber zwischen 1920 und 1930 durch eingeschleppte Ratten ausgerottet. Diese auch als „Land Lobster“ bekannte Art wurde erst 2001 auf Ball’s Pyramid, einer kleinen, kegelförmigen Felseninsel 23 km südlich von Lord Howe wiederentdeckt und gilt als stark vom Aussterben bedroht. 


Die Papuanische Subregion weist eine außerordentlich reiche und diverse Phasmidenfauna (> 200 beschriebene Arten) mit vielen sehr charakteristischen, endemischen oder durch ihre Größe auffälligen Gattungen und Arten auf (vgl. HERWAARDEN, 1998). Sie umfasst neben Neuguinea auch den Bismarck-Archipel und die Salomon Inseln, sowie umliegende Inseln. Mit seinem über 3000 m Höhe erreichenden zentralen Hochland bietet Neuguinea eine Vielzahl verschiedener Vegetationszonen und verschiedenartiger Biotope, angefangen vom tropischen Flachland-Regenwald bis hin zum montanen Nebel- oder Zwergwald. Besonders auf Neuguinea stark vorherrschend sind die zahlreichen Angehörigen der Unterfamilie Eurycanthinae, namentlich der Gattungen Brachyrtacus, Eurycantha, Eupromachus, Neopromachus, Oreophasma, Papuacocelus, Pseudopromachus, Symetriophasma, Thaumatobactron, Trapezaspis. Die meisten dieser Gattungen fehlen allerdings auf den Salomon Inseln. Die Tribus Phasmatini ist mit vielen fast durchweg sehr großen, geflügelten Arten der Gattungen Anchiale, Eurycnema, Peloriana und Phasma vertreten, wovon nur Anchiale auch mit einer Art auf den Salomon Inseln vorhanden. Die übrigen Riesenstabschrecken Neuguineas gehören ausschließlich der Tribus Stephanacridini an und verteilen sich auf die Gattungen Nesiophasma, Phasmotaenia, Macrophasma und Stephanacris, wovon die zwei letzteren auf Neuguinea endemisch sind. Phasmotaenia ist nur mit einer Art auf Neuguinea vertreten und hat ihren Verbreitungsschwerpunkt mit nunmehr sechs bekannten Arten auf den Salomon Inseln. Ebenfalls sehr charakteristisch und gleichsam auffallend ist die Gattung Extatosoma (Unterfamilie Extatosomatinae), die mit einer Art und zwei Unterarten vertreten ist (BROCK, 2001). Auch Xeroderus ist mit einer Art vertreten. Die Lonchodinae sind mit den Gattungen Breviphetes, Chondrosthetus, Echinothorax, Hermagoras, Hyrtacus, Leprocaulinus, Myronides und Phenacocephalus recht zahlreich über die gesamte Subregion verbreitet. Auch die Necrosciinae sind u.a. mit Asceles, Meionecroscia, Necroscia, Neoclides, Parasipyloidea und Platysosibia recht zahlreich. Die „Platycraninae“ sind mit den Gattungen Erastus, Graeffea, Megacrania und Ophicrania ebenfalls über die gesamte Subregion verbreitet. Die Phylliidae sind mit neun Arten der Gattung Phyllium (Tribus Phylliini), einer Chitoniscus-Art, sowie der Gattung Nanophyllium (Tribus Nanophylliini) in der Papuanischen Subregion vertreten. Auf den Salomon Inseln kommt überdies eine Art der Gattung Nisyrus (Unterfamilie Xeroderinae) vor.


Die Polynesische Subregion zeichnet sich nicht unbedingt durch großen Artenreichtum aus (ca. 110 bekannte Arten) beherbergt aber eine große Anzahl sehr charakteristischer und endemischer Formen. Die formenreichste Fauna findet sich mit den Gattungen Chitoniscus, Cotylosoma, Graeffea, Hermarchus, Nisyrus, Phasmotaenia und Pterobrimus auf den Fidschi Inseln (21 Arten). Etwa ein Drittel der bisher bekannten Arten scheinen auf Fidschi endemisch zu sein, historische Nachweise von Anchiale und Pachymorpha erscheinen aber zweifelhaft. Die Fauna von Fidschi zeigt Einflüsse verschiedener umliegender Regionen wie Mikronesien oder Neuguinea (vgl. NAKATA, 1961). Das Verbreitungsgebiet von Hermarchus reicht von Fidschi, den Gesellschaftsinseln und den östlichen Gebieten Französisch Polynesiens über nahezu gesamt Melanesien ausgenommen den Salomon Inseln. Phasmotaenia hingegen ist nur mit einer Art vertreten, aber über gesamt Mikronesien, die Salomon Inseln und die Philippinen bis nach Taiwan verbreitet. Ein ähnliches großflächiges Verbreitungsmuster zeigt die als Kokospalmen-Schädling bekannte Gattung Graeffea, die auch in den Salomon Inseln vertreten ist. Ebenfalls über weite Teile der Polynesischen Subregion ist die auf Schraubenpalmen der Familie Pandanaceae spezialisierte Gattung Megacrania. Auf Mikronesien beschränkt sind die auffälligen Gattungen Diagoras, Acanthograeffea und Heterocopus.
Eine Sonderstellung innerhalb dieser Subregion kommt Neukaledonien (24 Arten) und den Loyalty-Inseln (8 Arten) zu, die einen besonders hohen Prozentsatz and endemischen Gattungen und Arten beherbergen. Hier sind besonders die charakteristischen oft stark spezialisierten Carlius, Cladomimus, Cnipsus, Gigantophasma, sowie die Eurycanthinae-Gattungen Asprenas, Canachus Labidiophasma, Microcanachus und Paracanachus zu nennen. Des Weiteren finden sich hier einzelne Vertreter von Chitoniscus, Chondrosthetus, Eurycantha, Graeffea, Leosthenes, Megacrania und Nisyrus.

Die Neuseeländische Subregion weist keine sonderlich reiche und vielfältige Phasmidenfauna auf (21 bekannte Arten, siehe JEWELL & BROCK, 2003), alle vorhandenen Gattungen und Arten sind aber endemisch. Das typischste Faunenglied stellen eindeutig die vier Gattungen der Tribus Acanthoxylini dar, nämlich: Acanthoxyla, Argosarchus, Clitarchus und Pseudoclitarchus. Außerdem finden sich Vertreter der Gattungen Micrarchus, Niveaphasma (Tribus Pachymorphini), Asteliaphasma, Tectarchus und Spinotectarchus (Tribus Hemipachymorphini).