Die Wahl der jeweiligen Konservierungsmethode ist zum einen abhängig davon ob man zuhause oder auf Reisen ist und zum anderen vom Verwendungszweck des Präparates. Soll es als Schautier dienen und farblich besonders gut erhalten sein, oder wird auf die Farbe weniger Wert gelegt dafür, aber besonders auf den natürlichen Erhalt der Körperform oder intern-morphologischer Merkmale?
Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile sowie die Techniken verschiedener von uns erprobter Konservierungsmethoden zusammengefasst.
1. Einlegen in AcetonBei dieser Präparaionsmethode werden die fertig gespannten Phasmiden kopfüber in Aceton eingelegt. Als Behälter eignen sich große, luftdicht schließende Gefrierdosen. Die Lösung sollte mindestens 5 cm hoch eingefüllt sein. Die Tiere verbleiben nun, je nach Körpermasse 5-10 Tage in der Lösung, werden anschließend entnommen und 3-5 Tage lang getrocknet. Am besten legt man die entnommenen Steckplatten unter Zeitung abgedeckt in die Sonne oder auf eine Heizung. Dabei muss stets für ausreichend Belüftung gesorgt sein!
Die Methode ist für braune Stabschrecken nahezu ideal, doch liegen die Nachteile zum einen darin, dass grüne oder bunte Phasmiden stark entfärben und ausbleichen. Der Vorteil dieser Methode liegt besonders darin, dass die natürliche Körperform sehr gut erhalten bleibt.
2. Einlegen in eine Lösung aus Isopropanol (98%) und Formaldehyd (35%): Bohr'sche Lösung
Hierbei werden die fertig gespannten Phasmiden kopfüber in eine Lösung aus 1000 Teilen Isopropanol (98%) und 30 Teilen Formaldehyd (35%) gelegt. Als Behälter eignen sich wie bei Methode 1 große, luftdicht schließende Gefrierdosen. Die Lösung sollte mindestens 5 cm hoch eingefüllt sein. Die Tiere verbleiben nun 10-14 Tage in der Lösung, werden anschließend entnommen und 3-5 Tage lang getrocknet. Am besten legt man die entnommenen Steckplatten unter Zeitung abgedeckt in die Sonne oder auf eine Heizung. Dabei muss stets für ausreichend Belüftung gesorgt sein!
In einer frischen Lösung sollte man nur braune Tiere einlegen. Ältere Lösungen entfärben zwar weniger, aber für grüne Phasmiden empfiehlt es sich eine separate Lösung ausschließlich für grüne Tiere zu nutzen.
Die Methode ist für braune Stabschrecken nahezu ideal, doch liegen die Nachteile zum einen darin, dass Formaldehyd hoch giftig ist und zum anderen darin, dass sich durch den Isopropanol, grüne Tiere stark ent- oder gelblich verfärben. Oft bleichen diese Tiere dann während der Trocknung noch weiter aus. Auch andere bunte Phasmiden entfärben leider stark, doch möglicherweise erzielt man durch den Zusatz stark konzentrierter Rohrzuckerlösung bessere Ergebnisse. Abgesehen davon liegen die Vorteile dieser Methode besonders darin, dass die Körperform sehr gut erhalten bleibt, die Präparate sich leicht wieder in Wasser aufweichen lassen und nicht von Parasiten befallen werden.
3. Trocknung mit Silica-Gel
Die Trocknung durch Silica-Gel ist besonders bei Geradeflüglern (Orthoptera), Libellen (Odonata) oder verschiedenen Schnabelkerfen (Rhynchota) weit verbreitet und wird von vielen Entomologen gerne angewendet. Silica-Gel sind kleine, kugelförmige Kristalle die in ihrem Innern unzählige, kleine Hohlräume besitzen. Die Kristalle dieser Silikat-Verbindung haben die Eigenschaft bis zu einem Drittel ihrer Masse an Wasser aufzunehmen, welches sie später durch Erhitzen (bis 130 °C) im Backofen wieder abgeben. Somit kann Silica-Gel einige hundert Male wieder verwendet werden. Nach sehr häufiger Anwendung lässt die Wasser aufnehmende Wirkung des Silica-Gels allerdings nach, da es beginnt zu „stauben“. Dies kommt dadurch, dass durch das häufige Hantieren an den Außenseiten der Kugeln kleine Partikel der Kristalle abbrechen und die Öffnungen der Hohlräume verstopfen. Somit kann das Silica-Gel nicht mehr die gesamte Menge an Wasser aufnehmen, was man dann neben einer nicht mehr stattfindenden Farbveränderung auch an dem weißen, leicht staubigen Überzug der Silica-Gel Kugeln sehen kann. Silica-Gel gibt es in verschieden Farben (blau, orange, rot). Nimmt das Silica-Gel Wasser auf, so verfärbt es sich – je mehr Wasser desto intensiver. So wird blaues Silica-Gel rot, orangenes verfärbt sich zu weiß. Somit lässt sich jederzeit erkennen, wieviel Wasser das Silica-Gel schon aufgenommen hat bzw. noch aufnehmen kann.
Die Anwendung von Silica-Gel ist sehr einfach – die Tiere müssen nur luftdicht mit einer genügend großen Menge Silica-Gel verpackt werden. Auf Reisen kann man hierzu in jede Schmetterlings- oder Papiertüte etwa einen halben bis ganzen Esslöffel Silica-Gel (abhängig von der Körpermasse des Tieres) hinzugeben. Die Tiere selbst sollten dabei am besten auf einer Wasser aufsaugenden Unterlage (z.B. Küchenpapier, Watte) gelagert sein. Danach werden die mit Insekten und Silica-Gel gefüllten Tüten in einer luftdicht schließenden Gefrierdose aufbewahrt. Bei der Präparation daheim, kann man die Phasmiden wie gewohnt auf einer Styroporplatte nadeln und spannen. Danach legt man die Platte samt den fertig genadelten Phasmiden in eine große, dicht schließende Gefrierdose und überschüttet die Tiere dann mit genügend Silica-Gel. Hat sich das Silica-Gel dann vollständig verfärbt, kann es vorsichtig abgeschüttet und die Präparate in Insektenkästen überführt werden. Sollten die Tiere noch nicht vollständig getrocknet sein, kann man noch frisches Silica-Gel hinzugeben.
Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Farbe wie auch die Körperform fast perfekt erhalten werden. Allerdings sind hier bei den meist sehr weichhäutigen Phasmiden Grenzen bei der Körpermasse gesetzt. Bei kleineren und weniger massigen Arten bis zu der Körpermasse von bspw. Aretaon, Brasidas, Lonchodes sowie den meisten Männchen funktioniert das Silica-Gel sehr gut. Bei etwas massigeren oder sehr weichhäutigen Arten kann man vorher mit einer feinen Nadel, die Unterseite der Insekten punktieren und bspw. mit einem Küchenpapier Teile der Körperflüssigkeiten absaugen. Sehr große und massige Arten wie bspw. Heteropteryx, Eurycnema verrotten zu schnell und lassen sich mit Silica-Gel nicht zufriedenstellend präparieren.
Nachteilig ist auf Reisen nur das relativ hohe Gewicht und der Platzaufwand für das Silica-Gel, denn je nach Dauer der Reise sollte man mindestens 1-3 kg mitnehmen.
Silica-Gel wird unter anderem beim Verpacken von elektronischen Geräten (z.B. Computer, Kameras) in den Tropen verwendet und kann unter anderem bestellt werden bei: www.hobby-photo.de.
4. Einlegen in Ethanol (70%)
Das Einlegen in 70%igen Ethanol wurde schon immer in fast allen Bereichen der Biologie wie auch in der Medizin angewendet um Tiere, Pflanzen oder Organe zu konservieren. Demnach ist auch viel altes Museumsmaterial entweder noch immer in Alkohol eingelegt oder wurde erst später trocken präpariert und genadelt. Für bspw. menschliche Organe oder größere Tiere wie Fische oder kleine Säuger ist diese Methode ohne Frage die beste, für Phasmiden hingegen ist sie wenig geeignet.
Diese „Nasspräparations-Methode“ konserviert zwar sehr gut, entfärbt aber aufgrund der Verwendung von Alkohol die Tiere sehr stark. Sämtliche Farben bleichen hierbei zu hellgelb aus. Zwar bleiben die Tiere auch nach vielen Jahren noch weich, doch versteifen sich die Bein- und Antennengelenke Dadurch brechen bei einer Entnahme schnell Beine ab, besonders wenn mehrere Tiere in einem Behälter gelagert werden. Arten mit sehr weichem Körper können sich nach sehr langer Zeit sogar nahezu auflösen. Für Reisen und Expeditionen ist die Methode auch nur bedingt empfehlenswert, da die großen Mengen an Alkohol sehr viel Gewicht beanspruchen und des weiteren beim Rückflug Probleme mit den Sicherheitsbestimmungen für brennbare Stoffe im Flugzeug verursachen können.
Als Gefäße bieten sich je nach Größe der Tiere luftdicht schließende Kunststofflaschen mit Schraubdeckel, Glas- oder Plastikröhrchen an. In das Gefäß gibt man mit dem Tier einen Zettel mit den Fundortdaten.
5. Trocknen durch Hitze oder Air-Condition
Dunkel gefärbte und sehr dünne Stabheuschrecken (z.B. Ramulus- oder Clonaria-Männchen) kann man auch ohne chemische Behandlung und recht einfach mit zufriedenstellenden Ergebnissen trocknen. Hierzu lagert man die gespannten Tiere entweder in einem klimatisierten Raum, auf einer Heizung oder mit Zeitungspapier abgedeckt in der Sonne. Auf keinen Fall darf man die Tiere unabgedeckt in die Sonne legen, da dies zu einer sehr starken Entfärbung und Ausbleichung der Präparate führt!
Für größere Arten mit mehr Körpermasse eignet sich diese Methode nur in Verbindung mit einer vorherigen Injektion von 98%igem Ethanol oder Formalin (siehe Methode 6).
6. Injektion von Ethanol (98%) oder Formalin
Hierbei sticht man mit einer feinen Kanüle auf der Körperunterseite zwischen dem Meso- und Metasternum ein und injiziert soviel 98%igen Ethanol oder Formalin bis es aus dem Mund und After der Phasmide wieder austritt. Beide Chemikalien konservieren zwar sehr gut, doch zumindest der Ethanol entfärbt besonders grüne Tiere schnell. Grüne Phasmiden verfärben sich gewöhnlich zu gelb und auch aus rötlichen Färbungen wird gelb. Die Entfärbung ist bei der Verwendung von Formalin zwar geringer, doch ist dieser Formalin sehr giftig und gesundheitsschädlich.
Da beide Chemikalien zwar gut konservieren aber nicht trocknen, müssen die Tiere zusätzlich zur Trocknung auf die Heizung oder mit Zeitungspapier abgedeckt in die Sonne gelegt werden. Die Methode funktioniert gut bei nicht zu massigen, braunen Stabschrecken (nicht größer als Lonchodes, Aretaon, Dares).
7. Ausnehmen und Ausstopfen
Es sei gleich gesagt, dass sich diese Methode nur für Schaupräparate eignet oder angewendet werden kann, wenn viele Dubletten zur Verfügung stehen. Denn durch das Ausnehmen der Insekten, werden sämtliche intern-morphologische Merkmale, speziell der Genitalien zerstört, die eventuell bei einer späteren Bearbeitung des Materials von Bedeutung sind. Des weiteren ist es bei sehr weichhäutigen Arten sehr schwierig die exakte Körperform zu erhalten und auch die Pigmentschicht auf der Innenseite des Chitinpanzers kann leicht zerstört werden. Trotzdem lassen sich in punkto Farberhaltung mit recht großem Zeitaufwand hervorragende Ergebnisse erzielen - wenn man vorsichtig arbeitet!
Es gibt verschiedene Techniken, auf der Körperunterseite von Phasmiden die Schnitte zum anschließenden Ausnehmen zu legen. Um möglichst wenige und kleine Schnitte durchführen zu müssen, trennt man am besten mit einer spitzen Präparierschere oder einem Skalpell einen Seitenrand des Metasternums und bei langen Arten zusätzlich das 4. und 5. Abdominalsternit seitlich auf. Zum Ausnehmen dienen verschieden große Pinzetten, doch ist unbedingt darauf zu achten, dass die Pigmentschicht auf der Innenseite des Chitinpanzers nicht beschädigt wird! Ist die Stabheuschrecke fertig ausgenommen, wird der Körper vorsichtig mit Watte ausgestopft, wobei man wiederum darauf achten muss die interne Pigmentschicht nicht zu verletzen. Bei sehr massigen Arten kann man das ausgenommene Exemplar vor dem Ausstopfen auch einige Minuten in eine Lösung aus Isopropanol und Formaldehyd (siehe Methode 2) oder Bohr'sche Lösung einlegen. Dies kommt besonders bei grünen Arten (z.B. Phyllium, Eurycnema, Diapherodes) sehr der Farberhaltung zugute.
Anschließend werden die Tiere genadelt, gespannt und auf der Heizung oder mit Zeitungspapier abgedeckt in der Sonne getrocknet. Um die Trocknung zu beschleunigen, können die fertig ausgenommenen aber noch nicht ausgestopften Stabschrecken für 5 Minuten in eine Lösung aus Isopropanol und Formaldehyd eingelegt oder das Körperinnere mit Trockensalz behandelt werden.
8. Gefriertrocknung
Die Gefriertrocknung ist wohl in Punkto Farberhaltung und Erhaltung der natürlichen Körperform über jeden Zweifel erhaben. Mit dieser Präparationsmethode konservierte Phasmiden, seien sie noch so groß oder bunt, sehen schlichtweg auch getrocknet noch fast aus als würden sie leben - die Präparate sind also nahezu perfekt! Die Methode ist allerdings mit ganz erheblichen, finanziellen Aufwendungen verbunden und wird daher meist auch nur von größeren Instituten zur Präparation von Pflanzen oder größeren Tieren (z.B. Fischen, Amphibien, Kleinsäuger) verwendet. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass immer nur sehr wenige Exemplare gleichzeitig im Gefriertrocknungsgerät untergebracht werden können. Deshalb wird diese, wenn auch fast perfekte Konservierungsmethode, hier nur kurz beschrieben.
Die Gefriertrocknung funktioniert nach einem recht einfachen Prinzip, ist aber technisch nur mit großem Aufwand möglich, da ein voll funktionierendes Gefriertrocknungsgerät benötigt wird. Diese werden zwar in den USA in großen Stückzahlen hergestellt, sind aber dementsprechend teuer. Die Geräte basieren dabei meist auf einem aufwendig umgebauten Kühlschrank und funktionieren folgendermaßen:
Die zu konservierenden Tiere werden in einer Vakuumkammer eingefroren und von Zeit zu Zeit mit Hilfe eines Thermostats leicht angetaut. Beim Antauen werden durch das Vakuum und eine an der Außenwand der Kammer angebrachte Pumpe alle freien Wassermoleküle aus der Vakuumkammer und somit auch dem Präparat gezogen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis das Präparat vollständig getrocknet ist.